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Die zweite Gruselstory:
oder: wir benutzen eine nicht "tierschutzgerechte" manuelle Fangkiste, ich
verletzte einen jungen Kater beim Einfangen mit dieser Katze so stark, das ihm
ein Auge entfernt werden muss. Um diese Untat zu vertuschen bringe ich das Tier
heimlich in die (direkt neben dem Wiesengelände) gelegene Tierklinik und wälze
die Kosten und den Kater auf das örtliche Tierheim ab. Tage später (nach dem
alle Welt Gelegenheit hatte sich das böswichtige Teil anzuschauen!) lassen
Monika und ich die Kiste heimlich verschwinden...
Die Situation auf der Wiese war ja folgende: Es gab zahlreiche bereits
kastrierte Katzen, einige erwachsene unkastrierte, mehrere Würfe aus dem
Frühjahr, ebenfalls unkastriert und "viiiel zu jung um sie schon zu
kastrieren". Sprich, wir sollten möglichst eine bestimmte Katze (die noch
fehlende Mutterkatze) fangen, auf keinen Fall eins der Jungen (zu alt zum
zähmen, angeblich zu jung zum Kastrieren) und auf keinen Fall eine bereits
kastrierte.
Na super. Das ging auf keinen Fall mit einer Automatik- Lebendfalle, der ist es
völlig egal welches Tier drin ist wenn die automatik ausgelöst wird. Wir hatten
bis zu diesem Zeitpunkt schon mehrmals mit unserer manuellen Falle- einer sehr
großen Holzkiste, verschließbar mit einem Stück Hartpappe, das manuell über eine
Leine herabgelassen wurde eingefangen. Manuelle Fallen gelten in
Tierschutzkreisen als die schonenderen. Wir hatten direkten Blick in die Kiste.
War die geeignete Katzen drinnen und hat am anderen Ende der Kiste gefressen, so
konnte man vorsichtig die "Falltür" aus Pappe runterlassen. Dann die Überlaufbox
vor den Eingang gestellt und fertig.
An dem fraglichen Abend traf ich mich mit Frau M. L. und einer weiteren Fütterin,
Frau P. auf der Wiese. Frau L. tat mir ihr Missfallen kund- ich würde mit einer
"nicht tierschutzgerechten" Falle einfangen. Wo der Unterschied zwischen der
Funktion der Fangkiste und der von ihr favorisierten Lebendfalle lag konnte sie
mir leider nicht verraten (auch die Automatikfalle funktioniert mit einem
"Fallbeil" als Verschluss, allerdings aus weitaus härterem und schwereren Metall
oder Plexiglas. Auch fällt der Verschluss mit deutlich mehr Wucht zu, mit Pech
wenn die Katze noch den Schwanz dazwischen hat. Das kann mit einer manuellen
Falle nicht passieren, sieht man doch was die Katze darin gerade macht.
Nun, die Damen gingen und ich blieb allein zurück. Nach einer Weile kamen auch
die ersten Katzen- gingen rein und raus. Mein "Zielobjekt" ließ sich nicht
blicken. Dann kamen die "Kleinen". Und eine davon hatte - zu meinem nicht
geringen Schrecken- ein deutlich verletztes Auge. Was nun? Sie war zwar
eindeutig eine der Katzen die ich ausdrücklich nicht einfangen sollte, aber ein
verletztes Tier zurücklassen obwohl ich die Möglichkeit hatte ihm zu helfen? Ich
hatte nur ein paar Sekunden Zeit zum Überlegen, war mir aber des möglichen
Ärgers durchaus bewusst. Die Katze fraß, weit entfernt vom Eingang- ich ließ die
Pappe runter. In Panik sprang das Tier ans Gitter nach oben- und ich sah zu
meinem Entsetzen einen blutenden, hervorquellenden Augapfel. Was nun tun?
Dummerweise hatte ich keine Überlaufbox dabei- sie wurde gerade anderweitig
gebraucht. Also das arme Tier in die Automatikfalle gelassen, schnell ein
Handtuch drüber geworfen. Monika und Frau P. informiert (damit sie noch füttern
konnte bevor es endgültig dunkel wurde.) Und ab über die Wiese zu meinem Auto
und damit - ich selbst mehr oder weniger im Schockzustand) in die Tierklinik ums
Eck. Dort hatte gerade zu meiner Freude die Frau Dr. Hund Notdienst. Sie ist
Augenspezialistin, ich hatte mit Casey schon mal einen Termin bei ihr. Ich
erklärte ihr die Situation, wo ich die Katze eingefangen hatte und das sie
wahrscheinlich nur ein Auge hatte (was nicht stimmte, der Augapfel war noch da,
so wurde es in der Klinik auch notiert). Meine Idee zu diesem Zeitpunkt:
Entweder die Katze einschläfern (es gab definitiv keinen geeigneten Pflegeplatz,
wer um Himmels Willen sollte sie postoperativ versorgen? Wieder so eine
katastrophale Pflegestelle ohne Erfahrung?) oder alternativ mal wieder mein Bad.
Wie ich das mit der Pflege hinbekommen wollte war mir noch ein Rätsel, aber ich
hätte es versucht, auch für die Kosten der OP wäre ich irgendwie
aufgekommen.
Frau Dr. Hund zeigte mir einen weiteren Weg.
Nachdem sie die Katze mittels des Handtuchs aus der Falle in eine Box der Klinik
verbracht hatte (das Handtuch wurde dabei blutig, was ich zu diesem Zeitpunkt
aber nicht mitbekam) warf sie einen Blick auf die Verletzung (Kommentar: "Sie
bekommt jetzt erstmal ein Schmerzmittel, die Verletzung hat sie ja nicht heute
erst bekommen und morgen wird sie dann operiert")
Sie wollte das zuständige Tierheim informieren, die sollten nach der OP das Tier
abholen und würden auch für die Kosten aufkommen. Mein Einwand, es sei ja keine
Fundkatze sondern eine Wilde war für sie nicht stichhaltig- es wäre nicht die
erste Wilde die sie an den Tierschutzverein weitergeben würden.
Nun, ich hatte zwar ein unbehagliches Gefühl dabei, ich wusste aber auch das es
für mich äußerst schwierig gewesen wäre die Katze zu versorgen, die Katze war
bei Profis deutlich besser aufgehoben.
Immer noch zitternd fuhr ich zunächst zu Frau L. und erzählte ihr was
vorgefallen und wie es ausgegangen war, fuhr danach noch auf die Wiese um die
Falle dort zu lassen (ein Fehler!), warf noch einen Blick in die Fangkiste
(nicht mal das Futter war umgestoßen!) und fuhr nach Hause. Monika hatte mir
versprochen am nächsten Tag aufzuräumen. Einen Tag später rief ich wie
versprochen in der Klinik an, ja, alles sei gut verlaufen, der kleine Kater
gleich kastriert und von dem Tierheim abgeholt worden.
Soweit so gut. Oder nicht? J. M. hatte ich nichts erzählt und auch die anderen
gebeten es nicht zu tun. Zugegeben, nicht nur um ihre, sondern auch um meine
Nerven zu schonen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich absolut keine Lust auf einen
weiteren hysterischen Anfall! Ich hatte in der Klinik dem Tierheim
einen Brief hinterlegt- ob der jemals dort angekommen ist weiß ich nicht. In dem
dortigen Verein ist aber auch ausgerechnet die Frau aus Kaltenkirchen tätig die
die Jungen ursprünglich aufnehmen sollte. Zwischen ihr und J. M. gibt es eine
heftige Antipathie und schon lief das Telefon heiß- bei dem Gedanken muss ich
noch heute etwas Schmunzeln. J. M. hatte damals tatsächlich nicht die geringste
Ahnung von dem Vorfall und bekam nun zu hören sie wolle dem Tierschutzverein ein
krankes Tier samt der Kosten unterschieben. Gleich und gleich gesellt sich gern,
die Dame scheint ähnlich hysterisch gewesen zu sein wie die gute J. ;-)
Leider hatte sich die Wunde dann doch noch entzündet und der Kater wurde zwecks
Antibiotikagabe einige Tage (J. behauptete für Wochen!) von dem für das Tierheim
zuständigen Arzt aufgenommen. J. behauptete die Klinik hätte gepfuscht was aber
in der anderen Tierarztpraxis verneint wurde. Nun ging es ja gar nicht, das das
arme! Tier im Tierheim sitzen würde, J. holte es dort wieder raus, musste
zähneknirschend die Vermittlungsgebühr zahlen und besorgte mal wieder eine
"Pflegestelle". Die Erfahrung mit ähnlichen Fällen hatte mir gezeigt, dass im
Tierheim gerade Tiere mit Handicap recht leicht neue Besitzer finden- jetzt lebt
der Lütte also auf dieser Pflegestelle und wenn ich mich an J.s
"Vermittlungsgeschick" erinnere wird er dort noch lange bleiben- ich hoffe sehr
das die Frau ihn für ganz zu sich nimmt. Sie scheint immerhin schon eigene
Katzen zu haben.
Ach ja, um zur eigentlichen Gruselstory zurück zu kehren: Anderntags wurde das
blutige Handtuch von Frau L. gefunden- die Fantasie kannte daraufhin keine
Grenzen. Schnell wurde ein angeblicher Splitter in der Kiste gefunden an dem
sich der arme Kater beim Einfangen das Auge ausgestochen haben soll. Es gibt
angeblich ein "Beweisfoto" das aber weder ich noch Monika jemals gesehen haben.
Dafür haben wir Zeugen, dass die Kiste noch ein paar Tage vorher vollkommen in
Ordnung war aber diesen Zeugen wird selbstverständlich nicht geglaubt. Anstatt
das Frau L. mich nach dem Hergang fragt meldete sie sich mit ihren Vorwürfen bei
J. M. und auch die hat mich nie persönlich nach dem Hergang gefragt sondern
lieber der Gruselmärchenerzählerin geglaubt. (Auch hier gilt wieder: Gleich und
gleich...) Freitag abends kam ich dann zum Füttern auf die Wiese und wunderte
mich über das Verhalten der Katzen. Anstatt auf mich zu warten schienen sie
erschreckt und kamen erst nach und nach hervor. Und die Kiste war verschwunden.
Wem konnte daran gelegen sein sie verschwinden zu lassen? Frau L. (weil sonst
die Behauptungen gegenstandslos gewesen wären?) J. M. (damit wir die Kiste nicht
mehr zum Einfangen benutzen konnten?) oder gar ich (nach dem das Kind längst in
den Brunnen gefallen war hätte das wenig Sinn gemacht *kopfschüttel*) Vielleicht
konnte auch einfach nur jemand eine Holzkiste gut gebrauchen.
Hier ein PDF-Link zum Thema Frühkastration:
Frühkastration.pdf
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